Chia-Tyan Yang 楊佳恬

Pianist. Storyteller.

Eine Kolumbianerin für österreichische Schmetterlinge
Stories

Eine Kolumbianerin für österreichische Schmetterlinge

Vor 16 Jahren wurde der Multikulti-Ball vom Afro-Asiatischen Institut (AAI) Graz ins Lebens gerufen, er demonstriert Jahr für Jahr das multikulturelle Miteinander von Graz und bildet mit seinem Reinerlös eine wichtige Basis für das AAI-Stipendienprogramm, mit dem Studierende aus Afrika, Lateinamerika und Asien unterstützt werden. Wir sind natürlich neugierig, wer die Stipendiaten sind, und trafen Luisa Fernanda Trivino Cely aus Bogotá, Kolumbien.

Von Bogotá über Tirol in die Steiermark  Luisa kam vor etwa 9 Jahren nach Österreich, und zwar nach Tirol als Au-Pair-Mädchen, „um die Sprache zu lernen und eine andere Kultur kennenzulernen“, erklärt sie. In der Schule musste sie eine Arbeit über Nitsche und Kant schreiben und war zum ersten Mal mit Deutsch konfrontiert, „die Sprache hat mich fasziniert, dann dachte ich mir: Warum nicht?“. So kam sie zuerst nach Tirol und ein Jahr später in die Steiermark, wo sie sich schließlich für das Biologie-Studium auf der Karl-Franzens-Universität Graz inskribierte. Am Biologie-Institut war sie nicht nur die einzige Komlubianerin, sondern auch die einzige Lateinamerikanerin. 2008 bewarb sie sich für das AAI-Stipendium und erhielt es. Mitterweile hat die ehrgeizige Biologie-Studentin ihr Bakklaureat-Studium bereits hinter sich und hat vor, ihr Master-Studium „in zwei, maximal drei Semestern“ abzuschließen.

Die zierliche und quirlige Kolumbianerin hat sich auf Schmertterlinge spezialisiert und reist viel herum, um ihre Schützlinge zu (unter)suchen. „Uns geht es in erste Linie nicht darum, neue Schmertterlinge zu finden, erklärt sie mit ernstem Nachdruck, „sondern die zu erhalten, die vorm Aussterben bedroht sind“. So kam es, dass sie sich für den stark bedrohten Apollofalter einsetzt, der in dem österreichischen Nationalpark Gesäuse vorkommt.

 

 

Kaffee und Kuchen nach der Messe     Als Au-Pair-Kindermächen hat sie reichlich Erfahrungen bei den österreichischen Familien gesammelt. In der Steiermark war sie „bei einer Familie mit 5 Kindern – typisch steirisch! Die Kinder können ja weder Spanisch noch Englisch, da musste ich ja immer Deutsch sprechen und das war super!“, erzählt sie begeistert. Mit der ersten Familie aus Tirol ging Luisa sonntags in die Kirche, wo die Messbesucher neugierig auf sie waren und sie mit Fragen zuschütteten. „Es gab auch immer Kaffee und Kuchen nach der Messe, wo man beisamen saß und nett plauderte“, erzählt sie begeistert. Luisa ist noch immer ganz beeindruckt, wie gut und oft in österreichischen Haushalten gebacken wird, „also das Brotbacken habe ich in Österreich gelernt“, sagt sie stolz. Die aufgeschlossene Biologin schätzt außerdem die österreichische Küche und kommt ins Schwärmen, „Kaiserschmarrn, Palatschinken. Und alle Varianten von Knödeln“. Auch die österreichische Weinkultur war ihr neu, „das kannte ich gar nicht, dass man zum Essen Wein trinkt!“

Diesen Artikel habe ich 2013 im Auftrag des Multikulti-Balls verfasst. Hier geht’s zum kompletten Artikel auf der Website des Multikulti-Balls: http://multikulti.at/eine-kolumbianerin-fur-osterreichische-schmetterlinge/

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Written by Chia-Tyan Yang in 2015/03/12